In ihren Werkreihen My Daily Dose und Encapsulated Happiness transformiert Janine Seelen Pharmazeutika und deren Verpackungen in überdimensionale Symbole für Selbstoptimierung, Kontrolle und das unermüdliche Streben nach Perfektion. Die Motive werden zu Stellvertretern für das menschliche Bedürfnis, den eigenen Körper und die Identität nach äußeren Idealen zu formen. Eine visuelle Analyse unserer Abhängigkeit von künstlicher Makellosigkeit.
Präsentiert auf kleinen Holzkuben, wirken die Objekte, als wären sie in der Zeit eingefroren: Unter dichten Schichten aus klarem Harz scheinen sie in einem Schwebezustand zwischen Leichtigkeit und Gefangenschaft zu verharren. In dieser künstlichen Stille oszillieren die Werke zwischen Schwerelosigkeit und Stillstand.
Die Kohlezeichnung You are Ordinary zeigt einen überdimensionalen Tablettenblister auf einer Pappcollage. Pharmazeutika und ihre Verpackungen werden hier zu monumentalen Symbolen für Selbstoptimierung, Kontrolle und das unermüdliche Streben nach Perfektion. Das Motiv fungiert als Stellvertreter für das menschliche Bedürfnis, den eigenen Körper nach äußeren Idealen zu formen. Janine Seelen kritisiert damit eine Industrie, die davon lebt, den Menschen als ständig optimierbare Baustelle zu betrachten und daraus Kapital zu schlagen. Die Skalierung des Alltagsgegenstands rückt die Mechanismen einer profitorientierten Leistungsgesellschaft in den Fokus. Das Werk wird so zu einer visuellen Analyse unserer Abhängigkeit von künstlicher Makellosigkeit und hinterfragt radikal den modernen Optimierungswahn.
In meiner neuen Serie „MY DAILY DOSE“ sind vielfach vergrößerte Tabletten und ihre Verpackungen meine Motive. Ich verstehe sie als Symbole und Methapern für Selbstbestimmung und Kontrolle, die direkten Einfluss auf das Selbstbild und unsere gesellschaftliche Erwartungen haben. Sie verkörpern eine Idealvorstellung von einem Schönheit, Gesundheit und Identität. Auf einem vergleichsweise kleinem Holzkubus nehmen sie den gößten Raum ein. Sie scheinen unter der Kuppel aus mehreren Schichten klarem Harz auf einfarbig strukturierten Untergründen zu schweben. Oder wirken sie eher wie eingefroren und unbeweglich, Gefangene ihrer eigenen Welt?
Ein Schalter teilt Zeit in davor und danach ein. Entscheidungen treffen heißt, niemals zu wissen wohin diese führen. Können wir also Entscheidungen, die wir treffen kontrollieren? Und haben wir den Mut dazu die Konsequenzen zu tragen?
Die Motive der 12-teiligen Serie, zeigen Schalter, Lautsprecher, Schlösser oder Leuchtdioden. Symbole für die gesellschaftlich politischen Entscheidungen dieser Zeit.
Meine Gedankenwelt verfängt sich. Zeit und Raum verschwinden, eine Zuordnung scheint fasst nicht mehr möglich zu sein. Es fehlt der Kontext zur Wirklichkeit. In der Betrachtung und Konzentration auf das Wesentliche stellen sich Fragen: Was betrachte ich? Wo befinde ich mich, im Innen- oder Außenraum? Was geschieht als nächstes? Wird es mir gut tun? Wie werde ich mich entscheiden?
Mich locken die wunderschön blühenden Zierkirschen vor einer Werft-Fassade, die mit Trapezblechen aus Aluminium gefertigt wurde. In der Halle dahinter werden Schiffe und Boote aus GFK/Fiberglas, gebaut. Die Bäume wurden wie Soldaten in reih und Glied gepflanzt. Zur Beruhigung des grünen Gewissens?
Teil der Gruppenausstellung TRANSFORMATIONS, New Bedford Art Museum, MA, curated by Eric Shiner, president of Powerhouse Arts, Brooklyn, NY
Uns bekannte aber unerwartete Begegnungen, die uns anhalten, pausieren und Zeit und Raum genießen lassen, täten unserer Gesellschaft gut.
Zones XVIV-Zones XXXIII
Mir fallen die feinen Nuancen der anscheinend gleichen Ferienhausfassaden auf, die sich in den gegenüberliegenden Glasscheiben spiegeln. Die Regeln der Parkverwaltung bestimmen ein einheitliches Erscheinungsbild. Doch führen Hecken, Gardinen und mein persönlicher Blickwinkel auf die Szenerie ein Eigenleben.
Der uns umgebende Raum steht auf dem Prüfstand. Unsere demokratische Weltordnung ist ins Wanken geraten und autokratische Strömungen bedrohen unsere individuelle Freiheit. In diesem Zusammenhang verstehe ich Landschaft als ein gesellschaftspolitisches Konstrukt, ein Gespinst aus vernetzen Strukturen, welches sich in einem kommunikativen Spannungsfeld zwischen Auflösung und Abgrenzung befindet. Durch die Medienlandschaft werden wir 24/7 daran erinnert. Die persönliche Wahrnehmung und das Erleben von Raum und Zeit ist zentraler Aspekt unserer Gesellschaft. Wie nehmen wir Raum wahr? Während der Corona Pandemie entsteht die Serie "Zones". Das erste Motiv ist die schneebedeckte Tischtennisplatte im Hinterhof meines Ateliers zu später Stunde.